Unser Rundgang beginnt vor der Judenbrücke. Sie wurde 1858 errichtet und 1871 nach preußischen Bombenangriffen wieder aufgebaut. Sie verbindet die Altstadt von Straßburg, die früher durch ihre Stadtmauern geschützt war, mit der deutschen Neustadt, die auch Neustadt genannt wird.
Vor Ihnen liegt der Place de la République. Zwischen dem Kai auf der linken Seite und dem Kriegerdenkmal in der Mitte des Platzes befand sich im Mittelalter der mittelalterliche jüdische Friedhof, der Judenkirchhof. Er wurde außerhalb der Stadtmauern errichtet und war von Mauern umgeben. Die Juden durften sie gegen Zahlung einer Steuer nutzen.
An diesem Ort wurden am 14. Februar 1349, im düsteren Umfeld des Schwarzen Todes, Hunderte von Juden zur Verbrennung getrieben, weil sie beschuldigt wurden, die Epidemie durch das Vergiften von Brunnen zu verbreiten.
Die jüdische Gemeinde wurde 1390 endgültig für mehrere Jahrhunderte aus Straßburg verbannt. Von nun an durften Juden nur noch tagsüber in die Stadt kommen, um Handel zu treiben. Nachts mussten sie die Stadt verlassen, begleitet vom Klang des Grüselhorns. Dieses Horn ist eigentlich ein Schofar (das von den Juden bei feierlichen Anlässen benutzt wird). Die Wächter des Münsters bliesen von der Plattform aus. Wenn das Grüselhorn erklang, die Juden mussten die Stadt Straßburg verlassen. Eine Kopie ist noch heute im Historischen Museum zu sehen.
Nach der Vertreibung der Juden Ende des 14. Jahrhunderts diente der jüdische Friedhof als Steinbruch, der für verschiedene Bauwerke in der ganzen Stadt verwendet wurde. Anschließend wurde es 1475 zerstört, als sich die Truppen von Karl dem Kühnen näherten. Die Stelen wurden mit dem Vorschlaghammer niedergerissen, wie man an den wenigen erhaltenen Fragmenten erkennen kann, die im Musée de l'Oeuvre Notre-Dame in der Cour des Maréchaux ausgestellt sind.
1552 wurde eine neue befestigte Stadtmauer um die Stadt herum gebaut, die die letzten Überreste des jüdischen Friedhofs endgültig auslöschte. Die Stadtmauer wird im Bereich des Judenstegs um ein Tor erweitert, das als Judentor bezeichnet wird. Sie wurde 1880 zerstört. Ihr Name rührt wahrscheinlich, wie bei der Passerelle, von ihrer Nähe zur Rue des Juifs, Judengass im elsässischen Dialekt, her, auf die Sie nun zugehen werden.
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Gateway @ Carole Wenner
Grüselhorn, Historisches Museum der Stadt Straßburg, @Musées de la ville de Strasbourg, M. Bertola
Eugène BEYER - Gemälde "Le Supplice des Juifs à Strasbourg du 14 février 1349", @Musée des Beaux-Arts, Photo Musées de Strasbourg, M. Bertola
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